GELDVERSTEHEN
Cover des GELD VERSTEHEN Podcasts
FOLGE 72 · 25. JUNI 2026 · 9 MIN

Warum ich keine Budgetplanung empfehle

Worum es geht

Mit festen Budgets zu arbeiten gehört zu den Tipps, die im Netz am häufigsten gegeben werden, wenn es darum geht, besser mit Geld auszukommen. Klare Grenzen setzen, im Rahmen bleiben, fertig. Klingt logisch – aber ist es wirklich der beste Weg? In dieser Folge erklärt Per, warum er diesem Ansatz eher skeptisch gegenübersteht und welche entscheidende Sache dabei oft auf der Strecke bleibt.

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Transkript

Folge 72 zum Nachlesen · 6 Minuten Lesezeit

Eine Sache, die im Internet sehr, sehr häufig für Menschen empfohlen wird, die besser mit ihrem Geld auskommen wollen, ist, mit sogenannten Budgets zu arbeiten. Das heißt, sich einen klaren Rahmen zu stecken und in diesem Rahmen von den Ausgaben her zu bleiben, zum Beispiel für bestimmte Bereiche des Lebens, zum Beispiel die Haushaltskasse oder vielleicht so was wie Spaßausgaben, sich klare Limits zu setzen und das Ganze einfach in diesem Rahmen zu behalten. Ist das Ganze sinnvoll, oder gibt es einen besseren Weg? Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich nicht der allergrößte Freund von diesem Vorgehen bin. Warum das so ist und was ich dir stattdessen ans Herz legen würde, darum geht es in dieser Folge.

Ja. Zuallererst möchte ich einmal darüber nachdenken: Was passiert eigentlich, wenn man sich solche Limits setzt? Und ich habe das schon häufig erwähnt: Es gibt dieses Gesetz der Verschwendung, das Parkinsonsche Gesetz der Verschwendung, was besagt, dass im Endeffekt ja die Ausgaben eigentlich immer bis ans Limit der Einnahmen gehen, wenn man nicht aktiv darauf achtet. Deswegen macht es auf der einen Seite in gewisser Weise schon Sinn, sich auch den Rahmen zu setzen. Allerdings haben wir natürlich das Problem: Das Geld ist dann hinterher weg.

Der Vorteil dadurch, dass du den Rahmen hast: Du bleibst wahrscheinlich auch in diesem Rahmen. Wenn du in gewisser Weise diszipliniert bist und da eigentlich auch einen guten Rahmen findest, bleibst du in dem Rahmen. Allerdings, und das ist der ganz große Nachteil daran: Das Geld ist hinterher halt weg, und das, was mir fehlt: Du lernst daraus nicht wirklich, wo dein Geld eigentlich hinfließt, sondern du gibst eigentlich nur dieses Budget aus, und das Geld ist hinterher weg. Und du weißt eigentlich gar nicht so richtig, wie du jetzt deine Finanzen weiterhin optimieren kannst. Du könntest jetzt natürlich sagen: Du veränderst die Budgets, setzt bestimmte Budgets runter und versuchst, damit dann auszukommen. Das wäre eine Variante.

Allerdings ist das aus meiner Sicht sehr, sehr stark daran orientiert, dass du super diszipliniert damit umgehst. Ja, du setzt dir halt einfach einen Rahmen und fertig. Das hilft fürs Erste. Von daher ist es natürlich nicht ganz verkehrt. Wenn es für dich funktioniert, dann kannst du es natürlich auch weiterführen. Ich allerdings würde dir etwas anderes ans Herz legen, und darauf möchte ich jetzt eingehen.

Genau. Was ist eigentlich das, was ich dir viel mehr ans Herz legen würde? Das ist, einmal darüber nachzudenken: Was ist eigentlich wirklich dein Ziel? Oder besser gesagt: Was ist eigentlich mein Ziel für dich? Was du haben solltest, wenn du anfängst, dich mit deinen Finanzen auseinanderzusetzen beziehungsweise versuchst, mit dem Geld besser auszukommen und dich eigentlich ja in so eine Aufwärtsspirale zu versetzen. Das heißt, dass du von Zeit zu Zeit immer besser mit deinem Geld auskommst und dein Geld eigentlich so einsetzt, wie es zu dir passt. Und das wird sich auf dem Weg natürlich immer wieder verändern.

Aber ich möchte, dass du es schaffst, mit deinem Ausgabeverhalten so nahe wie es nur geht an deine eigenen Prioritäten und Bedürfnisse zu kommen, die sich im Laufe des Lebens natürlich definitiv immer weiter verändern und verschieben. Dementsprechend, ja: Wenn es aktuell bei dir so ist, dass bestimmte Prioritäten zu kurz kommen, zum Beispiel das Thema Geld zur Seite legen oder sparen oder auch Vermögensaufbau, dann bist du da noch nicht optimal aufgestellt. Und dann macht es Sinn, sich hinzusetzen und dort mal ein vernünftiges System reinzubringen, das dir hilft, dass du diese Ziele in deinem täglichen Vorgehen auch mitberücksichtigt bekommst.

Natürlich kannst du jetzt sagen: Okay, ich muss mir irgendwelche Rahmen setzen und Budgets setzen. Aber ich habe für dich eher einen anderen Wunsch, oder etwas, was ich dir raten würde, damit du besser mit deinem Geld auskommst. Und zwar: verstehen. Verstehen, wie du eigentlich gerade dein Geld ausgibst, und zwar so gut wie möglich verstehen. Deswegen heißt das Ganze hier auch GELD VERSTEHEN, weil ich will, dass du verstehst, wo aktuell dein Geld hinfließt, und ja, dich damit selber in die Lage zu bringen, das Ganze in eine Balance zu bringen, sodass es zu deinem Leben und zu deinen Prioritäten passt. Und es natürlich auch in dieser Balance zu halten.

Nicht einfach nur dir Grenzen zu setzen, zu versuchen, damit auszukommen, und über Disziplin, was natürlich auch immer dazugehört, zu gehen und zu sagen: Okay, ich muss jetzt irgendwie in dem und dem Rahmen bleiben. Dann wirst du eher da landen, dass das Geld weg ist. Schau lieber genauer hin, versteh lieber, wie du dein Geld gerade ausgibst, und pass dein Verhalten entsprechend über eine gewisse Zeit beziehungsweise laufend an, immer mehr in Richtung deiner wahren Prioritäten. Deswegen bin ich kein großer Freund davon, dir Limits zu setzen, sondern eher davon, den Fokus darauf zu setzen, im Detail zu verstehen, wie du dein Geld ausgibst, und darüber hinaus zu lernen und zu verstehen, wie du es in Zukunft anders machen kannst.

Ja, wie macht man das Ganze jetzt? Wie geht man das Ganze an? Was ist meine Empfehlung? Also setz dir am Anfang jetzt gar nicht das Ziel, sofort Geld einzusparen, also irgendwelche Budgets zu setzen, irgendwelche Rahmen zu setzen, sondern leb doch einfach erst mal so, wie du es gerade tust. Und fang mal an zu protokollieren, wo dein Geld eigentlich hingeht. Weil du nur so feststellen wirst, wie du eigentlich wirklich lebst, und deine wahren Verhaltensmuster herausfinden wirst. Wenn du dir jetzt einfach ja feste Budgets setzt, dann ist das so ein bisschen wie so eine Crashdiät, mit der du versuchst, dich an irgendwelchen Zahlen zu orientieren.

Aber viel wertvoller ist es, wenn du es hinterher schaffst, deinen Lifestyle, dein Leben, wie es gerade ist, so in eine Bahn zu bringen, dass du es auch im Alltag integriert bekommst und dass es eigentlich ja zu dir passt. Und das bekommst du meiner Erfahrung nach am allerbesten hin, wenn du das Ganze mal eine Zeit lang beobachtest. Wenn du mal so ein bisschen von außen hinschaust, dich am Anfang noch gar nicht einschränkst und am Anfang noch gar nicht hingehst und sagst: Ich muss jetzt stark etwas verändern, sondern einfach so weiterlebst und protokollierst, wo du dein Geld ausgibst.

Das bedeutet, du schreibst dir jede Ausgabe auf, zum Beispiel mit unserer App, das kannst du super machen, und schaust von Zeit zu Zeit mal drauf, wo dein Geld eigentlich hingeht, um so zu verstehen, wie du eigentlich gerade priorisierst. Daraus zu lernen und daraus auch zu verstehen, welche Dinge dir wirklich was bedeuten, welche Dinge dir wirklich wichtig sind, und das Ganze dann eher intuitiv anzupassen. Und nicht über irgendwelche fixen Rahmen zu definieren, sondern laufend, während du eigentlich dein Leben lebst, passiv dabei noch zu protokollieren und das Ganze dann bewusst anzupassen und zu optimieren. Genau das ist aus meiner Sicht der viel gesündere Weg und auch der einfachere Weg, deine Finanzen auf Dauer gut in einer Balance zu halten und deine finanziellen Ziele zu erreichen.

Ich hoffe, der Impuls hat dir ein bisschen geholfen. Und ja, ich würde mich freuen, wenn du das nächste Mal wieder reinhörst.

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