Worum es geht
Streit ums Geld gehört zu den häufigsten Konfliktthemen in Beziehungen – und taucht sogar unter den häufigsten Scheidungsgründen ganz weit oben auf. Diskussionen an der Kasse, Reibereien am Monatsende, das ständige Gefühl, dass es nicht rund läuft: Das kostet Energie, Nerven und bremst nebenbei auch noch eure finanzielle Entwicklung. Doch der eigentliche Grund für den Streit ist meistens ein ganz anderer, als die meisten denken. In dieser Folge zeigt Per, warum es in den seltensten Fällen wirklich am Geld liegt – und was stattdessen dahintersteckt.
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Transkript
Folge 74 zum Nachlesen · 8 Minuten Lesezeit
Leider ist das Thema Geld in vielen Beziehungen ein ständiger Streitpunkt. Und tatsächlich taucht auch unter den häufigsten Scheidungsgründen das Thema Finanzen sehr, sehr weit oben auf. Kennt vielleicht auch jeder, dass dort Diskussionen in der Partnerschaft entstehen, und das gehört ein Stück weit vielleicht auch dazu. Aber wenn das Thema zu groß wird oder zu belastend, dann sollte man dort auf jeden Fall mal hinschauen und etwas verändern.
Erst gestern habe ich an einer Kasse mitbekommen, wie ein Pärchen darüber diskutierte, wer jetzt die Rechnung zu bezahlen hat. Das Ganze verursacht natürlich viel Schmerzen, viel Stress und viele Reibereien. Das ist auf der einen Seite nicht schön, und auf der anderen Seite kann man sich vorstellen, dass das natürlich auch eine finanzielle Entwicklung sehr, sehr bremst, weil das kein guter Nährboden ist für eine positive Entwicklung von Finanzen. Deswegen ist das Thema riesengroß und, ich glaube, sehr, sehr wichtig. Und darum soll es heute gehen. Warum entsteht überhaupt Streit in der Beziehung? Was ist der häufigste Grund dafür? Wie schafft man es, das Ganze gut zu organisieren, sodass kein Streit mehr entstehen muss? Und wie schafft ihr es, dass ihr das Ganze ein für alle Mal gelöst habt?
Zuallererst schauen wir uns mal an: Warum kommt es überhaupt zu Streit? Was ist der häufigste Grund für Streit? Meistens ist der erste Gedanke, wenn es zu Streit kommt, dass ja viel zu wenig Geld da ist. Und das ist in den allerwenigsten Fällen überhaupt der Grund – meiner Erfahrung nach. Denn der einzige Grund, der dafür sorgt, dass ihr Streit habt oder dass dort Reibereien entstehen, ist einfach, dass nie klar geregelt wurde, wie es laufen soll, und ihr eigentlich ständig am Improvisieren seid.
Und das machen wir im Leben bei ganz, ganz vielen Themen. Improvisieren bedeutet logischerweise, dass ständig Raum für Diskussionen da ist, dass es Reibereien gibt. Das Ganze macht müde, kostet Energie und nimmt natürlich den Spaß an der Sache. Der Punkt ist aber: Finanzen sind ein Thema, das super nüchtern ist, super zahlengetrieben, logischerweise. Und eigentlich sollten dort Bauchgefühl und Improvisieren keine Rolle spielen, denn man kann das Ganze sehr, sehr nüchtern und klar organisieren. Das wird aber in vielen Beziehungen einfach so nicht gelebt, sondern alles aus dem Bauch heraus organisiert. Was bedeutet, dass es hin und wieder dazu kommt, dass natürlich Streit entsteht, dass dort Reibereien entstehen, dass das Geld einfach nicht da ist, wo man es gerne hätte. Und das ist die logische Konsequenz, wenn man in der Schleife steckt und das Ganze improvisiert.
Auf der anderen Seite: Wir brauchen eine klare Lösung. Wir brauchen Klarheit, und wir brauchen klare Spielregeln, wie wir mit unserem Geld gemeinsam umgehen. Welche Spielregeln sind das? Ich empfehle immer, zwei klare Spielregeln einzuführen.
Spielregel Nummer eins ist: Jeder braucht seinen persönlichen Spielraum. Das ist das Allerwichtigste, damit ihr mit euren Finanzen zufrieden sein könnt. Jeder hat eigene Prioritäten. Der eine legt gerne Geld zur Seite, der andere gibt sein Geld aus. Der eine geht gerne mehr ins Kino, der andere kauft sich Schuhe. Jeder hat so seine Idee davon, wie er mit seinen Finanzen umgehen möchte. Und genau das muss jeder auch für sich leben können, denn ansonsten ist es logisch, dass Unzufriedenheit entsteht.
Und das Wichtigste ist aus meiner Sicht: Mit seinen eigenen Finanzen sollte man sehr stark im Einklang sein. Das ist so ein bisschen der Schlüssel, um Zufriedenheit herzustellen und auch seine Ziele zu erreichen. Wenn man finanzielle Ziele hat, zum Beispiel eine gewisse Sparquote zu erreichen, dann muss man im Prinzip dafür sorgen, dass man nach seinen eigenen Prioritäten leben kann. Und das funktioniert nur, wenn ihr euch gegenseitig auch den persönlichen Spielraum gebt. Und dann muss dem anderen auch völlig egal sein, was der andere tut. Da gibt es kein Reinreden, in beide Richtungen nicht. Und das fehlt in einigen Beziehungen auf jeden Fall, dass jeder so seinen Rahmen hat, in dem er machen kann, was er will. Dann ist Streit natürlich sowieso vorprogrammiert. Deswegen ist meine Spielregel Nummer eins, und die ist aus meiner Sicht fundamental wichtig, dass jeder seinen persönlichen Spielraum bekommt, in den der andere einfach gar nicht reinreden darf.
Spielregel Nummer zwei bezieht sich natürlich auf die gemeinsamen Finanzen. Dafür braucht ihr unbedingt einen klaren Plan. Das ist super wichtig, denn wenn ihr den nicht habt, dann gibt es logischerweise immer nur Gründe für Streit und Reibereien, wenn ihr improvisiert. Deswegen müsst ihr euch einmal einen vernünftigen Plan machen für eure gemeinsamen Finanzen. Das müsst ihr auch gemeinsam machen. Das ist in meiner Vorstellung auch nicht sehr, sehr groß und kompliziert. Aber die ganz große Gefahr ist: Wenn ihr das alles irgendwie laufen lasst und vermischt und nicht sauber trennt, dann entsteht ein großes Chaos, dann entsteht Unzufriedenheit und logischerweise der Nährboden für Streitpotenzial.
Natürlich ist jetzt die Frage: Was sollte man tun? Wie kriegt man es hin, einen vernünftigen Plan für die gemeinsamen Finanzen zu haben? Das sind in meiner Welt immer drei Schritte, die ich jetzt mal grob anreißen werde, damit du ungefähr eine Vorstellung davon hast, wie man das Ganze machen kann.
Der erste Schritt ist logischerweise, euren gemeinsamen Bedarf zu ermitteln. Dazu gehört es, erst mal zu definieren, was eure gemeinsamen Ausgaben sind. Das ist auf der einen Seite relativ logisch: Wenn ihr zusammenlebt, dann habt ihr natürlich irgendwie Miete oder Heizkosten, Strom, Gas, Telefon, diverse Fixkosten gemeinsam. Die solltet ihr auf jeden Fall mal auflisten. Aber natürlich habt ihr auch – ich nenne es gerne immer Flexkosten, flexible Kosten –, dass ihr gemeinsam einkaufen geht oder aus dem gleichen Kühlschrank lebt. Vielleicht habt ihr Kinder, die Ausgaben generieren. Und all das, was dort auftaucht, solltet ihr auf jeden Fall kennen. Dazu gehören natürlich auch Dinge wie ein gemeinsamer Urlaub. Alles, was ihr im Prinzip als gemeinsame Ausgaben bezeichnet, solltet ihr kennen. Ihr solltet eine klare Liste haben, ihr solltet im allerbesten Fall sogar ein gemeinsames Haushaltsbuch haben. Deswegen kann man mit unserer App natürlich auch gemeinsam ein Haushaltsbuch führen. Man kann seine Haushaltsbücher teilen. Das ist ein Riesenvorteil.
Zusätzlich dazu würde ich euch dann auch raten, wenn ihr diese Liste habt, dass ihr das Ganze auf den Monat berechnet, dass ihr eine Monatsbilanz erzeugt für eure gemeinsamen Ausgaben und im besten Fall hinterher sagen könnt: Okay, Summe XY ist die Summe, die wir an gemeinsamen Ausgaben im Monat haben. Das ist Schritt eins: den Bedarf ermitteln.
Dann kommt natürlich der zweite Schritt: den Bedarf decken. Wer trägt wie viel? Ihr müsst gemeinsam definieren, wer von euch wie viel zu den gemeinsamen Kosten beiträgt. Das kann natürlich super individuell sein. Wenn einer mehr verdient, dann kann der mehr zahlen. Da müsst ihr euch im Prinzip einfach erst mal klar einig sein, wie ihr das handhaben wollt. Das Wichtigste dabei ist natürlich, dass beide zufrieden sind. Aber ihr solltet es auf jeden Fall einmal klar besprochen und einmal klar gelöst haben, damit das Thema ein für alle Mal vom Tisch ist. Und wenn ihr das einmal klar definiert habt, dann werdet ihr merken: Dadurch alleine entsteht ja eigentlich schon Frieden, beziehungsweise gar keine Chance, irgendwo darüber zu streiten, weil ihr es gemeinsam definiert habt. Wenn es nicht funktioniert, könnt ihr natürlich nachjustieren. Wenn das für einen dann doch nicht möglich ist oder ihr merkt, wir müssen was anpassen, dann passt es jederzeit an.
Der erste Schritt ist also, klar zu erkennen, wie viel ihr an gemeinsamen Ausgaben habt. Der zweite Schritt ist, zu definieren, wie ihr die Ausgaben deckt. Und im besten Fall geht ihr dann in den dritten Schritt: ein gemeinsames Konto zu haben und diese ganzen Zahlungen, die dort laufen, über Daueraufträge zu automatisieren. Das ist das, was ich immer empfehle. Beide überweisen ihren monatlichen Anteil automatisch, die Fixkosten gehen davon ab, alles läuft von alleine. Es gibt kein großes Hin-und-her-Rechnen mehr, und jeder hat so sein eigenes Konto. Jeder kann seine eigenen Ausgaben so handhaben, wie er möchte, aber die gemeinsamen Ausgaben sind schon mal organisiert und haben grob einen Rahmen.
Das Ganze ist natürlich jetzt sehr, sehr grob erklärt, aber ich denke, es gibt hier einen groben Fahrplan, wie du es mit deiner Partnerin, mit deinem Partner angehen kannst, wenn ihr merkt, ihr habt immer wieder Reibereien. In den allermeisten Fällen streitet ihr eigentlich nicht, weil zu wenig Geld da ist. Das ist meine Erfahrung. Sondern einfach nur, weil das Ganze nicht klar geregelt ist, weil ihr immer wieder gezwungen seid zu improvisieren. Und daraus solltet ihr unbedingt rauskommen.
Das ist kein Riesenaufwand, auch wenn es sich vielleicht im ersten Moment so anfühlt, das einmal klar aufzuteilen. Wenn ihr das einmal klar organisiert habt, werdet ihr merken: Das hilft euch wahrscheinlich euer gemeinsames Leben lang, weil ihr ganz viel Streit von vornherein schon im Keim erstickt. Und ist das Ganze einmal aufgesetzt, müsst ihr auch nie wieder darüber nachdenken.
Das sind meine Ideen zum Thema gemeinsame Finanzen und Streit vermeiden. Mich würde natürlich interessieren: Wie macht ihr das? Schreibt es mir gerne in die Kommentare, schreibt mir auch eine Mail. Ich hoffe, es war was für euch dabei, und ich freue mich, wenn ihr das nächste Mal auch wieder zuhört. Bis zum nächsten Mal.
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