Worum es geht
Gemeinsames Konto oder jeder für sich? In fast jeder Beziehung liegt diese Frage irgendwann auf dem Tisch, und meistens wird sie nie richtig beantwortet. In dieser Folge bekommst du meine klare Empfehlung dazu. Ich erkläre dir, warum Paare meistens nicht wegen zu wenig Geld streiten, sondern wegen fehlender Klarheit, welche eine Regel aus meiner Sicht dahinter steckt, und wie ihr sie so umsetzt, dass ihr über Geld kaum noch diskutieren müsst.
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Transkript
Folge 91 zum Nachlesen · 9 Minuten Lesezeit
Wenn du in einer Partnerschaft lebst und ihr gemeinsam zusammen wohnt, dann macht das natürlich ganz viel Sinn, auch über das Thema Finanzen zu sprechen und da eine klare Organisation für euch zu finden. Denn es ist einfach so: Ihr habt natürlich gemeinsame Ausgaben, Miete, Einkäufe, Strom. Vielleicht habt ihr auch Kinder, die Kosten logischerweise verursachen. Und dann bietet es sich auf jeden Fall an, eine klare Regelung zu haben und ganz einfach Streit und Reibereien zu vermeiden, um irgendwelche Unklarheiten zu vermeiden. Weil das meistens ein Faktor ist, an dem es hakt. Deswegen, wenn du dir die Frage stellst: Macht es Sinn, vielleicht ein gemeinsames Konto zu haben oder eher getrennte Kassen? Wie soll man das eigentlich regeln? Wie soll man mit dem ganzen Thema umgehen? Dann möchte ich in dieser Folge darauf eingehen.
Lass uns als Erstes einmal schauen, warum das Thema Geld in Beziehungen überhaupt so ein wichtiges Thema ist. Denn Geld gehört leider zu den häufigsten Streitthemen in Partnerschaften. Und Studien zufolge hat sich mehr als die Hälfte aller Paare schon mal ums Geld gestritten. Und bei rund jeder fünften Trennung spielt Geld auch eine Rolle.
Und jetzt kommt natürlich das, was viele überrascht. Es ist meistens gar nicht unbedingt ein Geldthema, dass Geld zu wenig vorhanden ist. Es ist eigentlich meiner Erfahrung nach, wenn es zu Reibereien beim Thema Geld kommt, eher ein Klarheitsthema, was das Thema angeht, ein Organisationsthema oder eine vernünftige Handhabung zu haben für das Thema generell. Denn was passiert meistens in Beziehungen? Es ist nicht so richtig klar, wie das ganze Thema organisiert ist. Wer zahlt den Einkauf? Wie teilt man den Urlaub auf? Was ist mit dem Essengehen auswärts? Wer bezahlt das? Und ja, weil das halt nie geklärt ist, entstehen immer wieder kleine Reibereien. Eine Situation, wo man wieder drüber diskutieren muss, wo es anstrengend wird, irgendwie eine Regelung zu finden. Und das ist natürlich auf Dauer erstens anstrengend und führt immer wieder zu unnötigen Reibereien, unnötigen Diskussionen.
Wenn man das Thema nicht so wirklich klar sortiert hat, dann kommt natürlich auch dazu, dass jeder so seine eigene Wahrnehmung hat, seine eigene, ein bisschen verzerrte Wahrnehmung, wer was irgendwie beiträgt. Ja, keiner hat so richtig einen klaren Überblick. Und das führt dann dazu, dass es sich ganz schnell so anfühlt, als wäre man benachteiligt. Jeder denkt irgendwie, er zahlt zu viel, gibt zu viel Geld für die gemeinsamen Ausgaben aus. Und ja, wenn beide das denken, führt das natürlich dazu, dass es ständig Reibereien und Diskussionen gibt und schnell mal ein Streit daraus entstehen kann. Gar nicht, weil das Geld nicht da ist, sondern einfach, weil Unklarheit da ist. Und dementsprechend ist das Thema Geld häufig ein Thema, was sich permanent als negatives Thema anfühlt. Ganz einfach: Weil man es nicht einmal vernünftig geklärt hat, muss man immer wieder drüber diskutieren und drüber sprechen. Und das macht es dann so zu einem negativen Thema.
Schauen wir uns also an, was eine Lösung dafür ist oder was ich auf jeden Fall empfehlen würde. Ganz klar: Wenn ihr bisher noch nicht sauber über das Thema Geld gesprochen habt, dann müsst ihr das einmal tun. Gerade wenn ihr ständig über das Thema diskutiert, dann ist das ein klares Zeichen dafür, dass ihr das noch nicht vernünftig einmal aufgestellt habt, vernünftig organisiert habt. Denn wenn man das getan hat, muss man gar nicht mehr so viel diskutieren, und das Thema wird plötzlich viel, viel kleiner. Das ist meine Erfahrung bei dem Thema. Wenn ihr es einmal vernünftig organisiert habt, müsst ihr im Grunde kaum noch darüber sprechen, weil es einfach klar geregelt ist. Es gibt eine klare Ordnung, und genau das ist meine Empfehlung. Ihr solltet anstreben, dass in eurer Partnerschaft das Thema Finanzen eigentlich gar kein wirkliches Thema mehr ist. Vielleicht von Zeit zu Zeit mal über eure Organisation und Planung sprechen, aber das war es dann auch schon, weil ihr das für euch einmal vernünftig sortiert habt.
Was heißt das? Was heißt es, eine grundsätzliche Organisation und Planung zu haben? Das Allererste und das Wichtigste ist erst mal natürlich, sich klarzumachen, worum es überhaupt geht. Wenn ihr zusammenlebt, dann habt ihr natürlich gemeinsame Ausgaben, und jeder von euch hat so seine eigenen Ausgaben. Das sind so die beiden Faktoren, die ich klar benennen würde und auch klar trennen würde. Also es gibt die Ausgaben, die euch beide betreffen oder die Familie betreffen, wenn Kinder mit im Spiel sind. So was wie Miete, Strom, Gas, Lebensmittel, ja, logischerweise Ausgaben für die Kinder. Und es gibt Ausgaben, die den Einzelnen betreffen, so was wie vielleicht Kleidung, Friseurbesuch, irgendwelche Hobbys, irgendwelche Gadgets, Spielzeuge, was auch immer man sich gerne persönlich leisten möchte.
Und ein großer Fehler, den ganz, ganz viele an der Stelle machen, ist es, diese Ausgaben alle in einen Topf zu werfen, alles zusammen zu betrachten. Und ja, dadurch sehe ich im Grunde zwei Probleme mit ins Haus zu holen. Erstens ist es schwer, überhaupt einen Überblick über alles zu bekommen. Und zweitens hast du dadurch gar keine vernünftige Vergleichbarkeit mehr. Denn wie willst du etwas bewerten oder eine Bewertung reinbekommen, wenn ihr gemeinsame Ausgaben, die vielleicht für die Familie wichtig sind, gegenüberstellt mit Ausgaben, die für eine Person an der Stelle wichtig sind? Das funktioniert im Grunde eigentlich überhaupt nicht.
Und deswegen ist es super wichtig, sich dem erst mal bewusst zu machen, dass ihr klar unterscheidet zwischen Ausgaben, die beide oder die ganze Familie betreffen, und Ausgaben, die den Einzelnen betreffen. Deswegen ist das die Regel Nummer eins für das Thema Geld in der Beziehung, dass ihr eine klare Trennung habt zwischen den gemeinsamen Ausgaben und den persönlichen Ausgaben von jedem. Um erst mal überhaupt eine vernünftige Vergleichbarkeit zu haben, um auch irgendwie klar zu bekommen: Was sind da Geldfresser, was sind unnötige Ausgaben? Das funktioniert nur, wenn man dort eine vernünftige Aufteilung und Trennung hat.
Und damit sind wir auch schon bei der Frage vom Anfang: Macht es Sinn, dass ihr ein gemeinsames Konto oder getrennte Kassen habt? Meine Empfehlung ist ganz klar: beides. Und zwar so, dass ihr im Grunde, ja, definiert habt: Was sind eure gemeinsamen Kosten? Und für diese gemeinsamen Kosten auch ein gemeinsames Konto anlegt und darüber alles abwickelt, was im Endeffekt, ja, euch beide oder die Familie betrifft. Da kann jeder von euch einen festen Betrag im Monat einzahlen. Wie viel das ist, das will ich jetzt gar nicht zu sehr thematisieren. Darüber müsst ihr euch natürlich auch Gedanken machen. Das ist ein Thema, was super individuell ist und unterschiedlich von Fall zu Fall ist. Wenn jemand mehr verdient oder wenn es vielleicht einen Alleinverdiener gibt, dann ist die Sache wahrscheinlich klar, dass ihr das einfach mal fix definieren solltet, sodass beide damit zufrieden sind, dass beide damit leben können.
Aber das Allerwichtigste an der Stelle ist natürlich vorweg: Ihr müsst genau wissen, wie viel ihr überhaupt an gemeinsamen Ausgaben habt. Deswegen macht es so viel Sinn, im ersten Schritt mal wirklich sich bewusst zu machen: Wie viel oder was sind unsere gemeinsamen Ausgaben, und wie hoch sind die im Monat? Und genau dafür ist dann halt das neue Konto da, das gemeinsame Konto, dass diese Ausgaben gedeckt sind. Und natürlich muss dort die entsprechende Summe, die dort benötigt wird, auf dem Konto landen, damit ihr diese Ausgaben decken könnt. Und auf der anderen Seite behält natürlich jeder ein eigenes Konto oder mindestens ein eigenes Konto für persönliche Ausgaben, mit dem Geld, was im Endeffekt nach der Einzahlung in den gemeinsamen Topf übrig bleibt.
Und jetzt kommt eine Regel, die mir persönlich dabei eigentlich fast am wichtigsten ist: Bei den persönlichen Konten redet keiner dem anderen rein. Keine Rechtfertigung, kein schlechtes Gewissen. Wenn du dir davon Schuhe kaufen willst, ist das deine Sache. Wenn du den anderen vielleicht mal zum Essen einladen willst, kannst du das auch machen. Aber das ist genau der Spielraum, den jeder braucht. Du hast einen hundertprozentigen Freiraum, was du mit deinem Geld machst. Und das führt dazu, dass im Endeffekt eigentlich gar keine Reibereien entstehen können, weil jeder seinen Spielraum, seinen Freiraum hat, aber ihr auf der anderen Seite gemeinsam, ja, dafür gesorgt habt, dass die gemeinsamen Ausgaben auch bewerkstelligt werden können.
Also so eine klare Trennung schafft zwei Dinge. Erstens Klarheit, weil jeder weiß, was ist. Was sind gemeinsame Ausgaben und was nicht? Das musst du einmal definieren, gemeinsam, und definieren, wie ihr diese Ausgaben decken wollt. Und auf der anderen Seite gewinnst du Freiheit für jeden, weil jeder mit seinem Konto und mit seinem Geld machen kann, was er möchte.
Noch mal zum Abschluss: Unterm Strich ist Streit ums Geld in der Beziehung meistens kein Thema von fehlendem Geld. Es ist einfach eine fehlende Klarheit, die da ist, weil alles durcheinandergeht, keiner einen wirklichen Überblick hat und am Ende das auch dazu führt, dass meistens das Geld dann weg ist, was dann Frust erzeugt, und, ja, jeder sich so ein bisschen benachteiligt fühlt. Deswegen macht es ganz, ganz viel Sinn, sich da eine klare Struktur zu überlegen und eine klare Trennung auch zu haben zwischen gemeinsamen und persönlichen Ausgaben. Das einmal vernünftig aufzusetzen, lohnt sich. Denn wenn das einmal klar aufgesetzt ist, gibt es mit Sicherheit gar keine Reibereien mehr oder kaum noch Reibereien. Und ihr müsst gar nicht mehr so viel über das Thema Geld sprechen. Und das Paradoxe daran ist: Plötzlich ist dieses Thema, wo ihr jetzt mal einmal vernünftig drüber gesprochen habt, gar nicht mehr vorhanden. Ihr müsst es gar nicht mehr so im Alltag thematisieren.
Deswegen ist mein Impuls an dich: Setzt euch doch mal zusammen. Beantwortet erst mal nur eine Frage: Was sind gemeinsame Kosten, die wir haben? Und dann könnt ihr klar auch trennen: Was sind die persönlichen Ausgaben? Schreibt euch das mal auf. Macht euch mal bewusst: Was sind eure wirklich gemeinsamen Kosten, und wie wollt ihr mit diesen gemeinsamen Kosten umgehen? Ich würde euch empfehlen, dafür ein extra Konto anzulegen, wo all diese gemeinsamen Kosten rausbezahlt werden, damit da eine klare Trennung ist und jeder auf der anderen Seite auch seinen Spielraum behält.
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