GELDVERSTEHEN
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FOLGE 86 · 24. SEPTEMBER 2026 · 10 MIN

Warum du dein Erspartes immer wieder zurückholst – der Denkfehler hinter dem Spar-Jojo

Worum es geht

Anfang des Monats überweist du Geld aufs Sparkonto. Ein paar Wochen später holst du es wieder zurück – Werkstatt, Nebenkosten, irgendwas kommt immer. Und das Sparkonto kommt nie über einen bestimmten Betrag hinaus. Die naheliegende Erklärung ist fehlende Disziplin. In dieser Folge geht es um den Denkfehler, der wirklich dahintersteckt – und warum die Rücküberweisung selbst gar nicht das Problem ist.

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Transkript

Folge 86 zum Nachlesen · 7 Minuten Lesezeit

Es gibt beim Thema Sparen so ein Muster, das ich persönlich das Spar-Jojo nenne. Was meine ich damit? Du legst am Anfang des Monats Geld auf dein Sparkonto, und nach ein paar Wochen musst du dir einen Teil davon wieder zurückholen und damit irgendwelche Rechnungen bezahlen. Und im nächsten Monat passiert höchstwahrscheinlich dasselbe wieder. Geld geht hin, Geld geht wieder zurück. Das Ergebnis ist, dass das Sparkonto im Prinzip ja nie über einen bestimmten Betrag hinauskommt, immer hin und her pendelt und sich wie so ein Jojo verhält.

Und das fühlt sich meistens bei jeder Rücküberweisung so ein bisschen an wie eine kleine Niederlage, weil man wieder ans Ersparte gegangen ist. Und man hat dann schnell, das ist so meine Erfahrung, eine naheliegende Erklärung dafür: dass man wenig Disziplin hat oder zu wenig Geld verdient oder irgend so ein Mix daraus. Und ich kann ganz klar sagen: Beides ist es eigentlich nicht. Denn es steckt meistens ein ganz bestimmter Denkfehler dahinter, den wir schnell machen. Und genau darum geht es in dieser Folge.

Denn lass uns das Ganze mal in Ruhe anschauen. Was passiert da eigentlich? Denn die Rücküberweisung, die du tätigst, ist an sich gar nicht das Problem. Nehmen wir mal ein Beispiel: Dein Auto muss in die Werkstatt. Dafür holst du das Geld von deinem Sparkonto. Und ja, ehrlicherweise ist es eigentlich ja auch genau dafür gedacht, dass du im Prinzip auf das Geld zurückgreifen kannst, wenn du es benötigst. Nämlich für Dinge, die du ja in einem normalen Monat eigentlich nicht so bezahlen kannst. Das ist auf keinen Fall eine Schwäche. Denn das ist eigentlich ja der Sinn der Sache, dass du Geld zur Seite legst. Deswegen bildet man ja überhaupt Rücklagen.

Und genau so nenne ich das auch: Rücklagen bilden. Rücklagen sind dafür da, dass du das Geld wieder ausgibst, nur halt jetzt nicht sofort, sondern halt später. Du legst das Geld zurück, und natürlich heißt es nicht, dass du das Geld einfach nach Lust und Laune ausgibst, sondern genau für Dinge, für die du Rücklagen aufgebaut hast, oder ja, Dinge, die dich ansonsten irgendwie in Schwierigkeiten bringen. Die Autoreparatur oder vielleicht einen Urlaub, vielleicht eine bestimmte Versicherung, die jährlich abgebucht wird, was auch immer das ist. Und wenn du jetzt in der Situation bist, dass du dir zum Beispiel Geld für die Werkstatt von deinem Sparkonto holst, dann heißt das eigentlich erst mal nur, dass dein System grundsätzlich funktioniert. Es macht genau das, was es soll.

Und warum hast du trotzdem das Gefühl, du kommst nicht wirklich voran? Das hat den Grund, dass im Prinzip in diesem System ein kleiner Denkfehler drinsteckt. Und zwar, dass auf diesem Konto eigentlich noch etwas anderes liegt oder liegen sollte. Und deswegen unterscheide ich beim Geld, was du zur Seite legst, ganz klar zwischen zwei Dingen. Das eine sind die Rücklagen, über die wir gerade schon gesprochen haben: Geld, das du später wieder ausgeben wirst. Und auf der anderen Seite das Thema Vermögensaufbau. Das ist Geld, das du eigentlich nicht mehr ausgeben willst. Das möchtest du vermehren. Das möchtest du irgendwie fürs Alter zur Seite legen, damit vielleicht irgendwelche Anlagen tätigen oder Ähnliches. Aber das ist Geld, was da liegt und im besten Fall einfach wächst.

Das Ganze nenne ich in meinem Buch die goldene Gans. Das ist eine Geschichte, die von Bodo Schäfer stammt. Die Gans, die später goldene Eier legen soll, wenn sie nicht geschlachtet wird. Und genau das ist die Idee hinter diesem Vermögensaufbau. Wenn du dir das genauer durchlesen möchtest, dann hol dir auf jeden Fall mein Buch. Da steht es genau beschrieben drin.

Aber das Wichtigste ist, wenn du Vermögen aufbauen willst, dass du das ganz klar trennen kannst von deinen Rücklagen. Und beides ist natürlich in irgendeiner Form Sparen. Jedenfalls nennen wir das häufig so, aber ich würde dir raten, das ganz klar auch im Kopf zu trennen. Denn es ist nicht beides Sparen in dem Sinne, sondern das eine sind Rücklagen und das andere ist Vermögensaufbau. Bei dem einen legst du Geld zur Seite, damit du es später bewusst wieder ausgeben kannst, damit es dir den Rücken freihält. Und das andere ist Geld, was du zur Seite legst, wo du nicht mehr ranmusst.

Und das große Problem: Wenn du beides auf ein Konto legst, weil du zum Beispiel eine Summe zur Seite legst, dann verschwimmt das Ganze, dann verschwimmt da die Grenze, und ja, du siehst eine einzige Zahl, und im Grunde wird es dann extrem schwer, dass dieses Konto wirklich wächst, weil du natürlich immer wieder an irgendwelche Rücklagen ranmusst und das Ganze total durcheinanderfliegt und du gar nicht den Blick dafür hast, dass dort eigentlich auch Vermögensaufbau stattfindet.

Und das Ganze hat zwei Folgen, wenn du das so machst. Beide tun natürlich weh. Die erste: Die Rücklagenentnahmen fühlen sich wieder an wie ein Rückschritt. Das heißt also, du benutzt das Geld eigentlich dafür, wofür es auch da ist, als Rücklage. Aber du hast trotzdem das Gefühl, dass es falsch ist, einfach nur, weil dein Erspartes wieder kleiner wird. Und die zweite, und das ist eigentlich die schlimmere Sache: Du wirst es sehr, sehr schwer haben, dass dort der Kontostand wächst, weil eigentlich dein Vermögen jedes Mal, wenn du an deine Rücklagen musst, wieder angegriffen wird und du wahrscheinlich über Jahre hinweg gar nicht richtig nach vorne kommst. In den meisten Fällen nicht, weil du zu wenig sparst, sondern weil du es einfach nicht klar getrennt hast und dadurch das Ganze verschwimmt und irgendwie das Geld dann im Endeffekt doch weg ist. Und das nenne ich das Spar-Jojo.

Was kannst du jetzt also tun? Was hilft dagegen? Das ist eigentlich ganz unspektakulär. Du solltest diese beiden Aufgaben ganz klar voneinander trennen. Ein Konto für deine Rücklagen: Da geht Geld rein, da geht das Geld auch wieder raus. Das soll so sein. Ganz bewusst legst du Geld zur Seite für bestimmte Dinge. Und ja, wenn diese Dinge anfallen, dann holst du dir das Geld, was du dafür brauchst. Alles ist in Ordnung. Genau das ist der Plan.

Und ein zweites Konto für deinen Vermögensaufbau. Da geht nur Geld rein. Da legst du einen Teil deines Geldes zur Seite, eine Summe, die du entspannt händeln kannst. Und das darf am Anfang auch wenig sein. Und du wirst sehen: Trotzdem wird durch diese klare Trennung einfach ein Vermögensaufbau stattfinden, und der Kontostand wird wachsen. Und diese Zahl darf im besten Fall eigentlich nur in eine Richtung gehen, und zwar wachsen. Sprich, du hast dann zwei Konten mit völlig unterschiedlichen Aufgaben. Und was passiert? Die Entnahme aus den Rücklagen wird nicht mehr wehtun, weil sie einfach eingeplant ist, und das andere Konto fängt wirklich an zu wachsen. Und dann kann ich dir versprechen: Sobald du das wachsen siehst, sobald du deine Gans dort erst mal wachsen siehst, dann wirst du Lust bekommen, das Ganze weiter anzutreiben und dich mehr mit dem Thema zu beschäftigen.

Noch einmal kurz zusammengefasst, was mir ganz wichtig ist, dir zu sagen: Wenn du das bisher noch nicht so gehandhabt hast, dass du zwei Sparkonten hast, sondern eins, und im Prinzip Sparen gleich Sparen ist, dann ist das ganz normal, weil wir das eigentlich alle so in der Kindheit gelernt haben. Als Kind lernt man irgendwie: Wenn du dir etwas kaufen willst, dann musst du dafür Geld beiseitelegen, dann musst du sparen, und so sparen. Halt konditioniert, dass wir Geld zur Seite legen, was wir dann hinterher wieder ausgeben. Das ist auch genau richtig. Das ist ja ein cleverer Gedanke in dem Punkt. Aber wir werden es mit dem Gedanken alleine schwer haben, dass wir unser Geld vermehren. Und deswegen würde ich dir raten, ganz, ganz stark einen zweiten Gedanken einzuführen, was auch Sparen ist, und zwar Geld zur Seite zu legen, was du nicht mehr anfasst. Das braucht natürlich auf der anderen Seite auch wieder dein Rücklagenkonto, weil du ja logischerweise irgendwo auch Rücklagen brauchst. Dementsprechend bedingt sich das gegenseitig. Aber es sollte sich auf keinen Fall vermischen.

Also wenn es dir genauso geht, dann mach dir eine Sache bewusst: Du hast wahrscheinlich nicht so viel verkehrt gemacht. Du hast nur zwei Sachen in einen Topf getan, die eigentlich getrennt gehören. Rücklagen sind zum Ausgeben da, nur für später. Vermögensaufbau ist nicht zum Ausgeben da. Das ist mein Impuls an dich: Mach zwei Konten draus, dann hört auch das Spar-Jojo auf.

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