Worum es geht
Später zahlen, in drei Raten, null Prozent – bei fast jedem Kauf ist es nur einen Klick weit weg, und verkauft wird es dir als das Clevere. In dieser Folge erzähle ich dir, warum ich davon grundsätzlich abrate, und was das mit den Worten zu tun hat, mit denen dafür geworben wird. Wenn du dir manchmal Dinge kaufst, die gerade eigentlich nicht drin sind, dann hör hier mal rein.
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Transkript
Folge 83 zum Nachlesen · 9 Minuten Lesezeit
Es gibt eine Sache, die dir inzwischen fast bei jedem Kauf angeboten wird, und zwar: später zahlen, in drei Raten, vielleicht auch mit 0-Prozent-Finanzierung etwas anzugehen. Und ja, das war lange Zeit auch ein richtig großer Trend unter jungen Leuten und ein Riesenproblem, was daraus entstanden ist, weil ganz, ganz viele Menschen sich darüber stark verschuldet haben. Aber natürlich ist das längst nicht nur ein Thema, sondern überall grundsätzlich sehr, sehr verbreitet, durch alle Altersgruppen hindurch. Was steckt dahinter? Was macht das mit deinen Finanzen, und was würde ich dir bei diesem Thema empfehlen? Darum geht es in dieser Folge.
Zuallererst würde ich ganz kurz einmal erklären, worum es genau geht, was ich damit meine. Also: Du willst dir irgendetwas Neues leisten, ob es ein neues Handy ist, irgendein Gadget, einen Urlaub vielleicht. Im Grunde ist es egal, was es ist. Und beim Bezahlen wird dir angeboten, dass du das Ganze nicht jetzt bezahlst, sondern halt später oder in Raten, und manchmal auch, ohne dass irgendwelche Zinsen draufkommen. Und das Entscheidende dabei ist ja: Du kaufst dir in dem Moment etwas, was du dir wahrscheinlich aktuell eigentlich nicht leisten könntest oder wo du das Geld gerade eigentlich nicht ausgeben willst. Und ja, das klingt jetzt hart, aber genau das ist es ja meistens. Wenn das Geld da wäre und du es ausgeben wolltest, dann würdest du es halt einfach bezahlen können.
Grundsätzlich kann ich das auch verstehen. Der Gedanke dahinter ist halt auch bequem. Einfach einen Klick weit weg. Nur in dem Moment tut es nicht weh. Und ja, du willst etwas haben, du kannst es haben, und du kannst es jetzt haben und nicht erst in vielleicht acht Monaten. Und ich will das Geschäftsmodell dahinter an sich auch gar nicht grundsätzlich infrage stellen. Das ist logischerweise erlaubt. Das ist ein Angebot. Es gibt Situationen, wo ein Kredit auch vielleicht sogar sinnvoll ist. Und was mich persönlich daran extrem stört und was auch aus meiner Sicht das extrem Gefährliche daran ist, ist etwas anderes.
Ja, was stört mich an diesem Geschäftsmodell? Was stört mich an diesem verlockenden Angebot? Und zwar ist es die Art und Weise, wie das Ganze beworben wird. Wenn du mal darauf achtest, mit welchen Worten dafür geworben wird, dann ist das aus meiner Sicht schon echt bemerkenswert. Denn häufig tauchen da Begriffe auf wie Rückenwind. Es wird mit Rückenwind geworben, wenn du auf einen Kredit zurückgreifst. Mit Freiheit, mit Flexibilität. Und tatsächlich sogar auch teilweise damit, dass du darüber Kontrolle über deine Ausgaben hast. Also es wird dir Leichtigkeit verkauft, so ein Gefühl davon, dass damit alles ein bisschen einfacher wird. Und nebenbei wird dir vermittelt, dass es clever sei, so einen Kredit aufzunehmen.
Wenn du an dieser Stelle mal kurz stehen bleibst und darüber nachdenkst, dann ist es eigentlich genau das Gegenteil davon. Und das finde ich eigentlich ziemlich krass, dass das Ganze genau so beworben wird. Und ja, gerade wenn man das nicht hinterfragt und das vielleicht auch einfach so hinnimmt, ist das super gefährlich, weil man ja im Prinzip dadurch, dass man sich darauf einlässt, eigentlich genau das Gegenteil von dem erreicht, was man denn möchte. Denn eine Sache wirst du davon auf keinen Fall bekommen: Rückenwind. Denn du ziehst ja was hinter dir her. Freiheit hast du nicht, wenn du ja einen Teil von deinem nächsten Gehalt schon abgegeben hast. Und Kontrolle kriegst du darüber erst recht nicht, gerade wenn du gar nicht mehr so genau weißt, was da eigentlich in den nächsten Monaten noch auf dich wartet, und du jetzt schon einiges davon verplant hast.
Das heißt, da werden Worte benutzt, die beschreiben, was du eigentlich haben willst, und zwar für etwas, was du dir im Grunde nimmst. Und ja, ehrlicherweise, das finde ich, ist tatsächlich ein Skandal, weil halt mit Schulden anderer Leute richtig gut Geld verdient wird, und das nicht irgendwie nur in irgendeiner Nische, sondern fast bei jedem Kauf. Jederzeit, überall. Ich habe es auch schon in meinem Bankkonto gesehen, wo ich das teilweise nachträglich für Zahlungen noch beantragen kann.
Deshalb noch mal der Blick darauf, was wirklich dabei passiert. Mach dir mal bewusst: Du hast eine Situation, in der du sagst: Ich kann mir etwas gerade eigentlich nicht gut leisten, oder: Ich will gerade für eine Sache kein Geld ausgeben. Du kaufst es aber trotzdem und musst es natürlich logischerweise irgendwann bezahlen. Und wenn du dann über die nächsten zwei Jahre irgendwas bezahlen musst, heißt das im Endeffekt: Du entscheidest heute, dass dein Spielraum in der Zukunft einfach kleiner wird. Und die Tatsache, dass du dir das, was du dir da leisten möchtest, aktuell eigentlich schon nicht leisten kannst, bedeutet ja: Dein Spielraum ist nicht super groß. Und dadurch, dass du jetzt im Endeffekt diesen Schritt machst und sagst: Okay, ich kaufe mir etwas, zahle später, wird dein Spielraum ja logischerweise einfach nur kleiner. Und das spitzt sich dann logischerweise immer mehr zu.
Und wie bei vielen Themen, auch beim Geld natürlich: Einmal tut das nicht weh. Deswegen muss ich das jetzt auch so ein bisschen revidieren. Einmal ist das vielleicht auch völlig harmlos. Wenn du mal ein Handy mit Vertrag kaufst, ist das vielleicht noch alles vertretbar und im Rahmen. Aber, und das ist der Punkt, wichtig ist nur, dass du dir bewusst machst: Das darf auf keinen Fall zur Gewohnheit werden. Und es darf auf keinen Fall dein Standard sein. Denn wenn es dein Standard wird, dann geht es logischerweise einfach nur die Treppe runter. Dann kommt zu der einen Sache die nächste, die du dir eigentlich nicht leisten kannst, und die Rate von der letzten Sache ist noch offen, und dein Spielraum wird enger. Das heißt, du bist noch mehr gezwungen, auf Ratenkredite zurückzugreifen, und irgendwann ist dann von deinem Geld, was eigentlich reinkommt, schon der allergrößte Teil vergeben, bevor der Monat überhaupt angefangen hat.
Und das ist das, was du niemals erreichen willst. Das zieht dich immer nur weiter runter. Nicht mit einem Schlag, sondern Stufe für Stufe. Und das ist das Gefährliche daran. Und das Bittere ist meistens, dass man sich unterm Strich nicht mal so richtig besonders was geleistet hat, sondern eigentlich nur viele Kleinigkeiten angehäuft hat. Und das ist ein Faktor, der ja ganz viele Menschen dort mit ihren Finanzen ins Struggeln bringt.
Und jetzt natürlich der Punkt, warum es mir so wichtig ist, das Thema anzusprechen. Warum rate ich dir so sehr davon ab? Weil du eigentlich ja Klarheit in deinen Finanzen haben willst. Und wenn du dir Dinge kaufst, die du erst später bezahlst, dann verwischt sich das Ganze immer mehr. Dann sagt dir gerade dein Kontostand eigentlich auch nicht mehr die Wahrheit. Da liegt dann ein Betrag, der vielleicht noch in Ordnung ist, aber ein Teil davon ist eigentlich schon komplett verplant. Und deswegen verliert man durch Ratenkredite und Ähnliches natürlich immer mehr den Überblick. Nicht mal, weil du schludrig bist oder irgendwas, sondern einfach, weil viele kleine offene Sachen da rumfliegen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf dich zukommen. Das ist dann immer schwerer zu überblicken. Und genau aus der Situation willst du ja eigentlich raus, wenn du deine Finanzen in den Griff kriegen willst.
Und zum anderen ist da noch eine andere Sache, die ich dir auch mal mitgeben wollen würde. Wenn du etwas auf Raten kaufst, dann ist das ein Thema, wo du ja eine schnelle Befriedigung suchst. Du willst es jetzt und nicht später. Und was dann passiert, wenn du darauf eingehst, ist, dass du dir im Prinzip eigentlich angewöhnst, immer mehr schnelle Befriedigung zu suchen, und dann immer mehr dafür sorgst, dass du dir wahrscheinlich mehr und mehr Dinge kaufst. Du gewöhnst es dir an. Und ich habe es häufig gesehen: Wenn Menschen gerade in so einer Art Konsumrausch sind und gerne Dinge kaufen und sich angewöhnt haben, häufig Dinge zu kaufen, sind das meistens gar nicht die Dinge, die einem wirklich viel wert sind.
Und deswegen ist mein Weg und meine Empfehlung an dich, das Thema ein bisschen anders anzugehen und zu sagen: Okay, das, was ich mir kaufe, wenn ich Geld ausgebe, dann ist es mir auch etwas wert. Das heißt, ich nehme mir dafür Zeit, das heißt, das Geld ist auch dafür da. Ich nehme mir auch die Zeit dafür, das Geld anzusparen. Ganz einfach aus dem Grund, weil dir dann die Sache, die du dir leistest, viel mehr bedeutet, viel mehr Wert hat und auch eine viel höhere Qualität für dein Leben gibt, als wenn du die schnelle Befriedigung suchst und immer mehr kaufst. Dann wirst du damit abstumpfen, und es wird deine Lebensqualität in dem Sinne gar nicht nach oben bringen und deine Finanzen natürlich komplett aus der Waage heben. Das ist der Grund, warum ich sage: Spar lieber auf die Dinge hin. Das klingt natürlich ziemlich langweilig und langsam und altmodisch, das weiß ich. Aber genau das ist aus meiner Sicht der Weg zu persönlicher Zufriedenheit und natürlich zu stabilen Finanzen.
Noch einmal abschließend, damit es nicht falsch rüberkommt, noch ein wichtiger Satz dazu. Ich rede hier natürlich von den privaten Finanzen, vom versteuerten Geld, das du zum Leben hast, zum Konsumieren, zum Anlegen und was auch immer du damit machen willst. Aus geschäftlicher Sicht kann es natürlich auch Sinn machen, Dinge auf Rechnung zu kaufen. Wenn du mit dem Geld irgendwas Besseres anstellen kannst, während der Kredit läuft, dann gelten da aus meiner Sicht auch andere Regeln. Das ist völlig legitim, aber darüber spreche ich hier nicht. Es geht hier rein um die privaten Finanzen: um Konsum, um das Geld, was im Prinzip ja dein Leben bezahlt.
Und da würde ich dir persönlich stark davon abraten, auf Konsumschulden zu setzen oder auf irgendwelche, egal wie es heißt, versteckten Worte, wo du deine Rechnung nicht jetzt begleichst, sondern später. Also Konsumschulden: Trainiere dir das nicht an. Ich sage nicht, dass du das nicht darfst, aber lass lieber die Finger davon.
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