Worum es geht
Bargeld abheben, in beschriftete Umschläge aufteilen, aus den Umschlägen leben: Cash Stuffing ist auf Social Media überall zu sehen – und sieht schön aufgeräumt aus. Aber ist das wirklich der Weg, wenn du deine Finanzen in den Griff bekommen willst?
In dieser Folge schaue ich mir den Trend ehrlich an: Was daran tatsächlich gut ist, wo für mich der entscheidende Haken liegt und warum ich dir trotz aller Vorteile einen anderen Weg empfehlen würde.
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Transkript
Folge 81 zum Nachlesen · 8 Minuten Lesezeit
Wer regelmäßig auf Social Media unterwegs ist, wird diesen Trend wahrscheinlich schon mal gesehen haben. Und zwar das Thema Cash Stuffing. Da, wo jemand sein Bargeld abzählt, Schein für Schein, und es auf beschriftete Umschläge aufteilt. Und ja, ehrlich gesagt, das sieht, finde ich, eigentlich immer ganz nett aus. Schön aufgeräumt. Schön geordnet. Was steckt da eigentlich dahinter? Ist das was für dich? Und würde ich das empfehlen? Darum geht es in dieser Folge.
Zuerst einmal kurz erklärt, was das Thema überhaupt ist, was Cash Stuffing überhaupt ist. Es geht darum, dass du ja Bargeld abhebst, jeden Monat oder auch Woche für Woche, und es auf Umschläge aufteilst. Und jeder Umschlag steht für einen Bereich deines Lebens. Zum Beispiel Lebensmittel, Tanken, Freizeit, was auch immer dir einfällt. Und du bezahlst dann im Alltag in diesen Bereichen genau aus diesen Umschlägen. Ist ein Umschlag leer, ist das Geld für den Bereich in dem Monat aufgebraucht. Und ja, ansonsten hast du immer den Blick, was noch für welchen Bereich zur Verfügung steht. Das ist im Kern eigentlich die Idee dahinter, die natürlich in der Form nicht neu ist. Das war schon lange vor diesem Social-Media-Trend ein bekanntes Thema. Im Grunde eine Ausführung vom Thema Budgets.
Jetzt fragst du dich wahrscheinlich: Was halte ich davon? Ein paar Dinge daran finde ich tatsächlich sehr, sehr gut. Das Allerwichtigste daran ist nämlich, dass sich da jemand überhaupt Gedanken über sein Geld macht. Und das ist schon mal mehr, als wahrscheinlich viele da draußen tun. Und deswegen ist das von der Idee her grundsätzlich erst mal richtig. Und ich persönlich mag auch das Thema Bargeld, habe ich auch schon öfter thematisiert. Das macht das Thema Geld einfach anschaulich. Du siehst, was da ist. Du kannst es anfassen, es wird greifbar. Es wird dadurch klar, wie viel Geld zur Verfügung steht, und du kriegst einen sehr, sehr direkten Bezug zum Thema Geld. Deswegen: Das sind für mich auf jeden Fall schon mal grundlegend sehr, sehr positive Punkte an der Idee.
Und ein weiterer positiver Punkt ist natürlich, dass du dir einen gewissen Überblick darüber verschaffst: Was sind überhaupt meine Bereiche? Du machst dir Gedanken darüber, welche Lebensbereiche wie viel Geld beinhalten sollen. Wo geht das Geld eigentlich hin? Du fängst im Grunde an, dich da so ein bisschen zu orientieren und dir selber eine Orientierung zu geben. Und diese Auseinandersetzung, die da stattfindet, die ist natürlich sehr, sehr wertvoll. Und trotzdem, wenn du deine Finanzen in den Griff bekommen willst, würde ich persönlich dir eher davon abraten, das nachzumachen.
Und warum würde ich davon abraten? Also als Allererstes sehe ich ganz klar den Aufwand, der dahintersteckt. Du musst dich ständig damit beschäftigen. Du musst Energie da reinstecken, du musst das Geld abheben, du musst es verteilen, sortieren. Das kostet alles Zeit und Energie. Und das ist so ein bisschen der erste Punkt, wo ich sage: Überleg dir grundsätzlich, wo du deine Energie und deine Zeit reinsteckst. Das ist allerdings von meiner Seite aus nicht der Hauptpunkt, warum ich sage, das Vorgehen würde ich dir nicht empfehlen. Mein Hauptpunkt ist ein anderer. Du lernst damit nämlich nicht wirklich, intuitiv Geld auszugeben, oder besser gesagt, wie du intuitiv dein Geld ausgeben würdest.
Und ja, deswegen mach dir mal bewusst, was passiert, wenn du dir dort klare Rahmen setzt. Du setzt dir einen klaren Rahmen: So viel Geld darf ich in dem und dem Bereich ausgeben. Du hast ein gewisses Idealbild, wie das sein sollte. Vielleicht orientierst du dich bei den Vorlagen auch an irgendwelchen Ideen von anderen. Und dann versuchst du, in dem Bereich beziehungsweise in jedem Bereich irgendwie in diesem Rahmen zu bleiben. Und das ist dein Maßstab, den du hast. Und was du damit machst, ist: Du trainierst dir damit an, ständig in so einem kleinen Mangelmodus zu sein. In jedem Bereich schaust du: Darf ich hier noch Geld ausgeben? Ist da noch was übrig, oder gebe ich das jetzt schon aus? Weil es ist ja in dem Topf drin. Darf ich das vielleicht noch ausgeben? Du bist im Prinzip eigentlich immer in so einem festen Rahmen drin.
Versteh mich nicht falsch: Das kurzfristig mal umzusetzen und mal zu budgetieren, das kann schon Sinn machen, wenn du dein Geld für einen bestimmten Zeitraum so ein bisschen mehr zusammenhalten willst. Oder vielleicht auch für einen Urlaub zum Beispiel ist ein festes Budget auch gar nicht schlecht, um dir da einen klaren Rahmen zu setzen. Das kann man definitiv mal gezielt einsetzen. Aber wenn du das komplett in dein Leben integrierst und in jedem Bereich jeden Monat oder vielleicht sogar wochenweise da feste Budgets hast, dann lernst du langfristig nicht das, was du dir eigentlich wünschst. Und deswegen bin ich ein Freund von einem anderen Weg.
Was ist der Weg, den ich empfehle? Also in meinen Coachings rate ich den Menschen immer sehr stark dazu, am Anfang ganz ohne Limit irgendwie dein Geld auszugeben, einfach mal so zu leben, wie du halt lebst, und das Ganze dann, ja, erst mal zu beobachten. Das heißt, die Energie, die du vielleicht woanders reinsteckst, gerade mal da reinzustecken, einfach nur eine Routine zu schaffen, wie du es schaffst, dein Geld zu beobachten, dein Verhalten zu beobachten und zu reflektieren. Und mit „ohne Limits“ meine ich natürlich nicht, dass du einfach losgehst und sofort alles ausgibst. Aber dich nicht von Anfang an in bestimmten Bereichen stark einzuschränken. Denn das ist das, was ganz, ganz viele Menschen mit ihrem Geld auch machen: sich selber in bestimmten Bereichen limitieren, in denen sie eigentlich gerne anders leben wollen würden.
Und der Gedanke: Gib dein Geld erst mal so intuitiv aus wie nur möglich. Gerade dann, wenn du eigentlich vielleicht auch ein bisschen in einem Mangelmodus unterwegs bist, kann das ungemein befreien. Und ja, die meisten sind ohnehin ständig in so einem limitierten Muster unterwegs. Und dann ist das sehr, sehr befreiend. Und vor allem zeigt es dir ganz, ganz schnell eine Sache: wie du eigentlich nach deinen eigenen Prioritäten leben willst. Du wirst dich darüber einfach grundsätzlich besser verstehen, dein Konsumverhalten.
Und das Spannende ist das, was ich immer wieder wahrgenommen habe: In den allermeisten Fällen geben Menschen dann wirklich gar nicht mehr Geld aus, teilweise sogar weniger, weil das Thema plötzlich gar nicht mehr so ein negatives Thema ist, im Sinne von „Ich darf nicht“ oder „Ich bin limitiert“, sondern da ist ein „Ich darf“. Und aus diesem „Ich darf“ wird auch ganz häufig ein „Aha, aber ich brauche es eigentlich gar nicht. Ich könnte es mir leisten, aber ich fühle es gar nicht so sehr, dass ich sage, ich muss es mir kaufen.“ Und das Witzige ist also: Wenn ich mich irgendwo beschneide und sage, das darf ich nicht, dann ist der Wunsch häufig viel, viel größer, dagegen anzugehen, als wenn du es dir wirklich eigentlich erlaubt hast und es darfst. Und du wirst darüber einen Weg finden, wie du einfach viel intuitiver dein Geld ausgibst.
Und das Ganze ist quasi auch so ein bisschen wissenschaftlich bewiesen. Du kennst das Beispiel mit dem rosa Elefanten, an den du nicht denken sollst. Wenn du daran nicht denken sollst, weißt du, woran du denken musst. Du denkst die ganze Zeit an den rosa Elefanten. Sobald du dir etwas verbietest, wird es meistens viel, viel schwieriger, darauf zu verzichten, weil es die ganze Zeit in deinem Kopf ist. Deswegen sind wir meiner Erfahrung nach sehr viel entspannter und freier, wenn wir erst mal einfach nur intuitiv unser Geld ausgeben und die Frage nicht lautet: Ist in meinem Umschlag noch was drin? Sondern, ja: Wie würde ich eigentlich gerade gerne leben wollen? Und darüber lernst du viel, viel mehr über dich und dein finanzielles Verhalten, als, ja, wenn du dort irgendwo eine Orientierung im Außen hast, ob der Umschlag noch voll ist.
Und dann ist natürlich wichtig, wenn du so lebst, dass du hinschaust, wofür du dein Geld ausgibst. Und das ist meine Empfehlung: dass du deine Energie darauf verwendest, ein Haushaltsbuch anzufangen, dir einen kleinen Überblick zu verschaffen, zu verstehen, wie du dein Geld ausgibst. Und erst, wenn du wirklich einen großen, guten Überblick hast, wie du eigentlich dein Geld ausgibst, und auch ein bisschen mit deinen Prioritäten vertraut bist, kannst du besser entscheiden, in welchen Bereichen du dich eher einschränken willst, was du verändern willst. Und ja, so entsteht eine ganz andere Lernkurve, weil du von deinem echten Verhalten ausgehst, nicht von einem Idealbild.
Noch einmal abschließend: Ich finde Cash Stuffing persönlich definitiv einen interessanten Trend. Ich finde es auch gut, wenn Leute sich darüber so ein bisschen mit ihren Finanzen auseinandersetzen. Es hat auch viele Vorteile, so erst mal zu starten, weil man das ganze Thema sehr griffig hinbekommt, gerade weil es mit Bargeld gestaltet ist. Aber wenn du es ernst meinst und dich wirklich mit deinen Finanzen beschäftigen willst, dann gibt es aus meiner Sicht einen viel, viel einfacheren Weg und einen viel schnelleren Weg, der dir einen viel besseren Gesamtüberblick verschafft und dir viel besser hilft, und vor allen Dingen langfristig hilft, deine Finanzen im Griff zu haben und auch nur Zufriedenheit herzustellen mit deinen Finanzen und mit deinen Ausgaben. Und genau an der Stelle würde ich anfangen. Ich bedanke mich fürs Zuhören, und bis zum nächsten Mal.
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